30.6. Erstmals gemeinsam auf der Bühne: die Zöllner, Julia Neigel und Anne Haigis


… und das in Bärnsdorf! Gewöhnlich laden sich die Zöllner prominente Gäste in das „Café Größenwahn“ ein. Nun machen sie erstmals eine Ausnahme und alle betreten Neuland. Weder Julia Neigel noch Anne Haigis sind je mit den Zöllnern aufgetreten und noch nie wurde das Konzept von „Café Größenwahn“ außerhalb der Heimspielstätte in Berlin umgesetzt.
Das „Café Größenwahn“ ist eine Musik-Talk-TV-Show, die alle drei Monate von Familie Zöllner produziert wird. Die musikalischen Beiträge setzen sich aus Pflicht und Kür zusammen: zum einen muss der Gast spielen, was Gast- und Namensgeber Dirk Zöllner sich von ihm wünscht. Und danach darf der Gast dann spielen, was er selbst gern möchte und wird dabei von der Zöllnerband begleitet. Ein interessantes Experiment, das nun also bei uns in Bärnsdorf erstmals „auswärts“ gespielt wird.

„Die Zöllner“ sind eine Band der Wendezeit. Bandgründer Dirk Zöllners Karriere startete Mitte der 1980er Jahre. Musikalisch orientiert an musikalischen Vorbildern wie Otis Redding und den Temptations gründete er gemeinsam mit dem Pianisten André Gensicke „DIE ZÖLLNER“. 1988 spielten sie kongenial im Vorprogramm von James Brown vor 70.000 Zuschauern auf der Radrennbahn in Weißensee. Am 12.11.89, zwei Tage nach dem Mauerfall, gehörten sie zu den Bands, die in der Westberliner Deutschlandhalle beim „Konzert für Berlin“ spielten. Neben z.B. BAP, Nena, Udo Lindenberg; Joe Cocker, Marius Müller-WEsternhagen, Angelika Weiz, Die Toten Hosen und Heinz-Rudolf Kunze traten auch die „ausgebürgerten“ Gerulf Pannach und Christian „Cuno“ Kuhnert (Renft), sowie Nina Hagen auf. Die Zöllner „vertraten“ neben Silly, Pankow und den Puhdys den Osten der Stadt.
Es erfolgte eine erfolgreiche Zeit mit z.B. 100 Konzerten 1993. „Die Zöllner“ wurden 1993 aufgelöst, obwohl Dirk Zöllner 2011 wieder ein Album unter dem Label „Die Zöllner“ veröffentlichte und unter dem Namen auch wieder auf Tournee ist. 2006 spielte Dirk Zöllner die Hauptrolle in der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ an der Staatsoperette Dresden. 2011 startete er mit dem Projekt „Café Größenwahn – zu Hause bei Die Zöllner“.
Hier ein aktuelles Video zu einem aktuellen Thema:

Julia Neigel schaffte 1988 den musikalischen Durchbruch mit dem Album „Schatten an der Wand“. Mit dem von ihr getexteten und interpretierten Titel erreichte sie die Top10 in den Charts und wird mit Preisen überhäuft. Unter anderem erhält sie den GEMA-Textpreis für besondere Dichtkunst und wird von den Lesern mehrerer Fachzeitschriften zur „Besten Sängerin national“ gewählt. Höhepunkt ihrer Karriere wird das 94er Album „Herzlich Willkommen“, die sich wochenlang in den Top10 hält. Auch als Texterin ist sie weiterhin erfolgreich, schreibt auch für Kollegen wie Peter Maffay. Gerade mit ihren lyrischen Texten hebt sie sich wohltuend ab von den üblichen gereimten Plattheiten in der Schlagerszene. Bis heute hat die Frau mit der souligen Stimme 2 Millionen Alben verkauft und über 2000 Konzerte gegeben.

Die Karriere der Russland-Deutschen verlief nicht so gradlinig wie die von Helene Fischer. Bis 1998 bekam sie vier ECHO-Nominierungen, der Preis blieb ihr jedoch versagt. Rechtsstreitigkeiten mit ihren Musikern stürzten sie in eine tiefe persönliche Krise. Nach einer mehrjährigen Schaffenspause sucht sie sich neu zu erfinden, experimentiert viel, tritt mit Weltstars wie David Knopfler, Paco de Lucia, Tina Turner, Eros Ramazotti, Rod Steward und Elton John auf, kann aber an die früheren Erfolge nicht mehr anknüpfen.

Nach 12 Jahren Pause kam 2013 ihr neues Album „NEIGELNEU“ heraus. 2016 ging sie mit dem Unplugged-Live-Programm „Samt und Seide“ auf Tour. Julia Neigel singt darin sinnlich und sensibel von Liebe und Leidenschaft, eigene tiefgründige Balladen, aber auch Coversongs, überraschend gefühlvolle Interpretationen von Klassikern, wie man sie nur mit einer Stimme wie der von Julia Neigel hinbekommt. Hier ein Titel aus diesem Album:

Zöllner hat mit Jule Neigel eine Künstlerin verpflichtet, die in ihren Anfängen aus den gleichen Traditionen des afroamerikanischen Soul schöpften. Es dürfte interessant werden, wie sie zusammenfinden.

Vor einen souligen Background passt auch Anne Haigis die ihre Karriere als Jazz-Sängerin begann. Mit 16 Jahren gab sie statt einer Mathearbeit ein leeres Heft ab, verließ die Schule ohne Abschluss und mit dem festen Entschluss sich nur der Musik zu widmen. 1981 erschien ihr erstes, viel beachtetes Debüt-Album „Fore here were the life is“. Nach einem zweiten, ebenfalls erfolgreichen Jazz-Album erhielt sie einen Preis beim Nachwuchsfestival der Deutschen Phonoakademie in der sparte Jazz. Bald darauf trennte sie sich von ihrem Entdecker sowie Lebenspartner Wolfgang Dauner und dem Jazz, um es nunmehr mit deutschsprachigem Pop zu versuchen. Der Titel „Immer wieder du“ ist vielleicht ihr bekanntester Song. „Kind der Sterne“ 1989 ihr „Wendesong“, könnte auf einer Stufe mit „Als ich fortging“ stehen.

Auf ihrer aktuellen „Companions Tour“ zeigt sie ihre Klasse, indem sie mit ihrer grandiosen Stimme Gospel, Blues, Rock und Pop in überraschendem Wechsel von lautem Stakkato zu einfühlsamer Tiefe interpretiert und damit selbst noch das seine oder andere Original übertrifft – wie zum Beispiel Bed of Roses von Bon Jovi, worüber ein Kommentator auf You Tube schrieb: „Die kann einfach wirklich singen die Frau! Wozu brauchen wir diesen ganzen blöden Super-Star-Müll? Es gibt sooo viele tolle Sänger und Sängerinnen in Deutschland, Interessiert die Medien nur leider nicht wiklich. Anne : Du bist der HAMMER!!!“

Dieses Frühsommerkonzert hat also das Zeug zum Hochkaräter. Wie der Diamant geschliffen wird, hängt nun aber letztlich auch vom Publikum ab. Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen der Fans und einen mitreißenden Abend!