2.9. Purple Schulz über den SING des Lebens

Purple Schulz machte zuletzt nicht nur von sich hören, sondern auch von sich lesen. In einem offenen Brief an die Phono-Akademie geißelte er den Echo-Preis als solchen und ließ keinen guten Faden an Kollegen, die den Preis wegen der Verleihung an Kollegah und Co. empört zurückgaben. Aber auch an Letztgenannten ließ er keinen guten Faden. „Ich fand es schon immer absonderlich, dass sich die Musikindustrie selber Preise verleiht für ihre Verkaufszahlen,“ schrieb er und meinte, dass dieser Fakt der Selbstdarstellung der Preisträger bis zu diesem Ereignis ja auch keinen Abbruch getan hätte und dass diese damit längst bewiesen hätten, dass es ihnen nicht um die Fans, sondern nur um ihr Geld ginge.
Er zitierte Tim Renner, der sagte, wäre der Echo ein Gastronomiepreis und würde dort der Produzent mit dem größten Umsatz geehrt, wäre das McDonalds mit dem Hamburger. Kein leidenschaftlicher Koch würde sich an so einem Wettbewerb beteiligen.

Kollegah und Bang hält er für „Preisträger, über die bald niemand mehr reden wird, weil ihr ‚künstlerisches Potenzial‘ mit dem Ende ihrer Postpubertät erschöpft sein wird.“ Purple Schulz zeigt sein Potenzial schon seit über 30 Jahren.
Ähnlich wie Katrin Wettin beginnt ein gewisser Rüdiger Schulz seine musikalische Lehre im frühen Schulalter. Er erhält Klavierunterricht und später auch Unterricht an der Orgel… Im Alter von 13 Jahren nervt er die Verkäufer des einzigen Kölner Orgelgeschäfts mit zahlreichen Interpretationen von Deep Purples „Child in time“ an einer für ihn unerschwinglichen Hammondorgel, was ihm den Spitznamen „Purple“ einbringt.
1984 gelingt ihm der musikalische Durchbruch mit der Single „Sehnsucht“. Er schafft es bis Platz 5 in den Charts. Das Nachfolgealbum „Verliebte Jungs“ enthält mit „Nur mit dir“, „Kleine Seen“ und dem Titelsong gleich drei weitere Hits, die zum Alltagsbegleiter mehrerer Musikgenerationen wurden und über die Ära der Deutschen Welle hinaus bestand hatten.
Mit dem Album „Sing des Lebens“ hat er nach längerer Pause noch einmal den Sprung in die Charts geschafft.
In seiner Biographie heißt es: „Schulz kennt keine Tabus, singt über die Liebe und das Leben, aber auch über Themen wie den Tod, Psychosen, Gewalt, Terror und die Flüchtlingsproblematik. Und doch gelingt es ihm immer wieder, sein Publikum zum Lachen zu bringen. Ein Abend mit Purple Schulz ist eine einmalige Mischung aus Konzert und Kabarett, aus Poesie und Protestsong. Eine Reise durch das Leben, so wie es wirklich ist. Es sind die passenden Worte zu den richtigen Tönen, auch zwischen den Songs, die für den Gänsehautfaktor sorgen.“
Purple Schulz steht für musikalische Qualität. Deshalb hat sie Bestand, ist in „aller Ohren“ und vielleicht auch in Bärnsdorf in „aller Kehlen“.